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Klasse G 6c:
Floßfahrt durch die Loisach-Kochelsee-Moore

 

Der zusätzliche Wandertag, den sich die Klasse G 6c im vergangenen Schuljahr verdient hatte, bescherte 26 Schülerinnen, der Co-Klassenleiterin und dem Klassenleiter auf Tom Sawyers Spuren ein besonders Abenteuer-Erlebnis, denn am 14. Juli 2009 bauten wir gemeinschaftlich mit einfachen Mitteln ein Floß und fuhren damit wie früher die Flößer auf der Loisach durch die Loisach-Kochelsee-Moore von Kochel bis Benediktbeuern. Angeboten wurde diese Fahrt vom kirchlichen Zentrum für Umwelt und Kultur (ZuK) in Benediktbeuern.

Aber der Reihe nach: Nachdem die Eltern von diesem Angebot überzeugt werden konnten und ihr Einverständnis erklärt hatten, stand dem Abenteuer nichts mehr im Wege: So fuhren wir mit dem Regionalzug von München nach Kochel, wo uns Herr Martin Fischer – ein Mitarbeiter des ZuK – in Empfang nahm. Dann ging es zu Fuß am Kochelsee entlang zur Loisach, so dass auch das Wandertags-Programm zu seinem Recht kommen konnte. Am Flussufer fanden wir die Materialen vor: unzählige Seile, Bretter, Balken sowie kleine und große Schwimmreifen. Jeder fragte sich ungläubig, wie denn daraus Flöße entstehen sollten. Aber kaum war die Frage gestellt, befanden wir uns auch schon mitten in der Aufbauarbeit. Angeleitet durch Martin Fischer und Christian Fischer, einem Abiturienten, der im ZuK sein freiwilliges ökologisches Jahr (FÖJ) absolvierte, entstanden nach und nach die Flöße. Dabei ging es ziemlich langsam bei der Gruppe voran, die von der Co-Klassenleiterin und dem Klassenleiter begleitet wurden, zeigte sich doch schnell (und gerade auch später), dass Lehrkräfte nicht unbedingt als Experten im Floßbau ausgebildet wurden. Auf jeden Fall standen dann bald die Flöße zur Fahrt bereit, wobei aber das Fahrzeug der dritten Gruppe eher als Leichtbau, der lediglich zwei große Reifen aufwies, zu bezeichnen war. Dafür konnte es am schnellsten zu Wasser gelassen werden. Vorher gab es natürlich noch die obligatorische Sicherheitseinweisung, die unter anderem mit der Handhabung der Schwimmweste und des Rettungsseiles vertraut machte, außerdem wurden noch wichtige Verständigungszeichen erklärt und ausprobiert sowie die Handhabung der Paddel auf dem Trockenen geübt. Wer wollte, konnte auch in einen Neoprenanzug steigen.Auch wurde jeder dazu verpflichtet, einen Sicherheitshelm zu tragen. Nach einer Brotzeit konnte es dann endlich losgehen, denn man konnte es kaum noch erwarten, auf seinem Floß zu stehen und abzulegen.

Dann ging es los. Die Flöße gingen tatsächlich nicht unter und sogar das Paddeln funktionierte, so dass die Flößer gut an Fahrt gewannen und es sogar wagen konnten, eine Wettfahrt zu unternehmen. Nach einiger Zeit zeigte sich dann aber immer deutlicher, dass der Leichtbau offensichtlich konstruktionsbedingte Schwächen aufwies. Durch den Verzicht auf zwei Reifen lag das Floß direkt auf dem Wasser, das langsam, aber sicher die Außenseiten der Bretter bedeckte, die sich dann etwas bewegten. Außen standen die verschiedenen Flößer und ruderten. Dummerweise verließ auf der rechten Seite jemand unangekündigt das Brett, so dass sich die linke Seite als wippendes Sprungbrett erwies: Ohne ein Wort zu sagen, badete plötzlich der Klassenleiter in der eiskalten Loisach, begleitet vom Applaus der gesamten Mannschaft. Nach einer Ehrenrunde begab er sich wieder an Bord. Dort gab es Arbeit genug, denn man musste immer dafür sorgen, in der Strömung zu fahren und nicht an den Uferrand zu geraten. Der Leichtbau war mittlerweile immer schwieriger zu steuern und die Hauptaufgabe der Mannschaft bestand darin, das Gewicht auszugleichen und dem Wasser auf dem Floß auszuweichen. Nach über einer Stunde gelangte man zu einer Loisachbrücke, unter der angehalten wurde, um an Land zu gehen und eine Pause einzulegen. Dabei erwies sich als gar nicht so leicht, das Ufer mit Gepäck zu erklimmen. Als es schließlich allen gelungen war, konnte die verdiente Pause stattfinden. Aber auch in dieser Pause wurden alle Flößer ununterbrochen von Mücken und Bremsen heimgesucht, auch später auf dem Floß war man nur ununterbrochen damit beschäftigt, das Paddel mit der Hand zu halten und in Ruderpausen mit den Händen nach Mücken und Bremsen zu schlagen, was aber meist ohne Erfolg blieb, wie anhand zerstochener Flößerkörper bewiesen werden könnte.

Nach der Brotzeitpause kam die nächste Bewährungsprobe: Ein Wehr war zu überwinden. Alle drei Flöße schafften es auch ohne Probleme, das tosende Wasser in großer Geschwindigkeit unter Jubelgebrüll zu durchqueren. Schon bald stand die Landung an. Das erste Boot fuhr voraus, die anderen zwei sollten auf Anweisung der Fischers versuchen, am Rand des Flusses anzuhalten, was dem zweiten Boot auch gelang. Nur zeigten sich dann große Probleme für das dritte Floß, das nur noch sehr schwer zu steuern war. Nachdem bei der ersten Anlandung unter Ästen diese einzelne Mitglieder der Mannschaft von Bord gefegt hatten, wurde ein erneuter Versuch unternommen, der dieses Mal alle Flößer ins Wasser beförderte. Die Mehrzahl der Mannschaft kam dankenswerter Weise auf dem zweiten Boot unter, die restlichen Mitglieder zogen es vor, am Ufer die letzten hundert Meter zu Fuß zurückzulegen.

An der Landungsstelle gab es dann viel zu erzählen, aber auch zu erledigen, denn die Flöße mussten wieder auseinandergebaut werden. Die Materialien waren über eine Treppe zum Loisachstadl zu schaffen, in dem wir auch übernachteten. Auch die Übernachtung hatte ihren Reiz, denn es war für viele doch etwas ungewohnt, auf allen Komfort wie Dusche, fließendes Wasser, Strom und Licht zu verzichten. Selbstverständlich übernachteten dort auch die Mücken und Bremsen.

Das „Abenteuer-Erlebnis“ hat auf jeden Fall viel Spaß bereitet, auch wenn am nächsten Tag unzählige juckende Bisse und Stiche zu versorgen waren. Dem Klassenleiter saßen auf jeden Fall am nächsten Schultag lauter Schülerinnen gegenüber, die sitzend seltsame Verrenkungen ausführten, um sich entweder an Einstichstellen zu jucken oder diese mit Creme zu versorgen!

Dr. Jürgen Schmelter für die G 6c
 

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